Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Komische Oper frei nach Christian Dietrich Grabbe von Detlev Glanert im Stadttheater Fürth. Premiere am Freitag, 13. April.

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung 427 640

Rafaela Fernandes, Eberhard Francesco Lorenz; Foto: Thomas Langer

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Nan Jiang, Elena Eismont, Yajun Yu, Nicholas Hariades, Hanyu Gao (v.l.); Foto: Thomas Langer

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Patryk Rybarczyk, Marlo Honselmann, Rafaela Fernandes, Eberhard Francesco Lorenz (v.l.); Foto: Thomas Langer

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, so ist die komische Oper in zwei Akten von Detlev Glanert frei nach Christian Dietrich Grabbe im Stadttheater Fürth übertitelt. Die Produktion des Stadttheaters Fürth mit der Hochschule für Musik Nürnberg hat am Freitag, 13. April, um 19.30 Uhr Premiere im großen Haus des Stadttheaters.

Viele bekommen Ihr Fett weg

Als Vorlage dient das Schauspiel von Christian Dietrich Grabbe, in dem der klassische deutsche Idealismus aufs Korn genommen wird. Sowohl Goethe und dessen diabolischer Faust als auch der Wissenschaftswahn und das deutsche Bildungssystem bekommen ihr Fett weg.

In der biedermeierlichen Gesellschaft wird Baronesse Liddy von skurrilen Adligen und dem dilettantischen Dichter Rattengift umworben, die sich durch Liddys Stand und Vermögen gesund stoßen wollen. Gleichzeitig begegnen vier Naturforscher durch einen höllischen Zufall dem Teufel. Diesen friert es auf der kalten Erde, und er singt hörbar eine Oktave zu hoch. Weil auch ein Schulmeister kläglich dabei scheitert, aus seinem Schüler Gottliebchen ein deutsches Nationalgenie zu züchten, wird klar, dass die Gesellschaft keinen Teufel braucht, um sich zu ruinieren. Das Böse ist unter uns. Darüber kann man nur lachen. Glanert hat eine tonal nachvollziehbare und anschaulich plakative Musik zu Grabbes Satire geschrieben, die an Glanerts Vorbilder Mahler, Ravel, Berg und Henze erinnern lässt.

Alles endet im Chaos

Detlev Glanert ist mit seinen erfolgreichen Bühnenwerken heute einer der meistgespielten lebenden Opernkomponisten in Deutschland. Seine Opern-, Orchester- und Kammermusik offenbart Gespür für eine besonders lyrische musikalische Sprache und eine Verbundenheit mit der romantischen Tradition, die aus einem zeitgenössischen Blickwinkel neu beleuchtet wird. Sein instrumentales Schaffen umfasst drei Sinfonien, Solokonzerte für Klavier, Klavierduo, Violine, Harfe und Tuba, außerdem zahlreiche Orchesterstücke sowie viele kammermusikalische Werke. Glanerts zehn Musiktheaterstücke erlebten zahlreiche Inszenierungen und Aufführungen weltweit. Er wurde für seine Opern mit Preisen geehrt, so unter anderem 1993 mit dem renommierten Rolf-Liebermann-Opernpreis für die erste abendfüllende Oper „Der Spiegel des großen Kaisers“ oder 2001 mit dem Bayerischen Theaterpreis für die komische Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“, sein bislang erfolgreichstes Bühnenwerk. Die Oper im Stadttheater Fürth verspricht also gute und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Detlev Glanert über "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung": Das Stück findet auf des Messers Schneide statt, der Absturz aus der vorhandenen Welt droht immer: Beide Akte enden folgerichtig im Chaos — der erste in dem des Alkohols, der zweite in dem der Zerstörung und des Nichts. Der Musik ist es aufgegeben, die Karikatur, die Verzeichnung unablässig voranzutreiben, sie bestimmt die Schnelligkeit und Energie, mit der wir dem Apokalypserl im Sinne von Karl Kraus entgegeneilen, sie muss uns das Bekannte musikalisch so zeichnen, dass wir das Unbekannteste in den Bühnenmenschlein zu erkennen vermögen: uns selbst."

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Komische Oper frei nach Christian Dietrich Grabbe von Detlev Glanert, Text von Jörg W. Gronius

  • Stadttheater Fürth, Großes Haus
  • Premiere: Freitag, 13. April 2018, 19.30 Uhr, Einführung: 19.00 Uhr, Foyer 2. Rang
  • Weitere Termine: Samstag, 14., Sonntag, 15. April 2018, jeweils 19.30 Uhr, Donnerstag, 19.,  Freitag, 20., Samstag, 21. April 2018, jeweils 19.30 Uhr
  • Karten und weitere Informationen: www.stadttheater.de

Produktion Stadttheater Fürth/Hochschule für Musik Nürnberg
Inszenierung: Dominik Wilgenbus
Musikalische Leitung: Guido Johannes Rumstadt, Michael Konstantin
Bühne: Peter Engel
Kostüme: Sandra Münchow
mit Elena Eismont, Nicholas Hariades, Eberhard Francesco Lorenz, Michael Doumas, Rafaela Fernandes, Marlo Honselmann, Patryk Rybarczyk, Yichi Xu, Gustavo Müller, Franziska Zwink, Hanyu Gao, Yajun Yu, Nan Jiang