Reingeschaut: up!sala

Aus alt mach neu: bei up!sala in Fürth dreht sich alles um Upcycling.

Upcycling-Laden von innen 1224 918

komplett ge"upcycelte" Innenausstattung

Upcycling-Taschen aus Kambodscha

Milchmeer ecobags: Taschen aus Zementsäcken

In unserer Serie „Reingeschaut“ besuchen wir Unternehmen, Initiativen und Geschäfte aus Stadt und Landkreis Fürth und stellen sie vor. Diesmal „up!sala“ in der Waagstraße 3 in der Fürther Altstadt.

Blick zurück

Kambodscha, 2012. Eigentlich wollten Sigrun Riechardt und Ralf Hassel Urlaub machen. Doch neben tollen Eindrücken aus einem fremden Land brachten sie eine besondere Projektidee mit nach Deutschland: Recyclingtaschen, die aus alten Zement- und Fischfuttersäcken oder Motorradschläuchen genäht werden. Mit den „Milchmeer ecobags“, wie die Taschen fortan heißen sollten, begann das Abenteuer up!sala.

Sprung ins kalte Wasser

Am Trempelmarkt vor zwei Jahren gab es die große Premiere. Die Beiden boten hier zum ersten Mal ihre ecobags zum Verkauf an. Ein Sprung ins kalte Wasser, der erfolgreicher nicht hätte sein können. Die Taschen kamen unheimlich gut an, weshalb Sigrun Riechardt und Ralf Hassel (zu diesem Zeitpunkt noch voll berufstätig) an den Wochenenden von Markt zu Markt zogen und bald darauf die Taschen auch im eigenen Online-Shop verkauften. Auf ihrer Tour über die Märkte lernten sie viele Upcycling-Designer und Menschen mit ähnlichen Projektideen kennen. Nach und nach enstand dabei der Gedanke, einen Laden zu eröffnen, der all diese Projekte unter einem Dach vereint. Als dann das Weihnachtsgeschäft 2013 boomte, standen beide endgültig vor der großen Entscheidung: entweder den Verkauf reduzieren oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Sigrun Riechardt beschloss, sich vollzeit dem Milchmeer-Projekt und der Ladenidee zu widmen, während Ralf Hassel weiterhin arbeiten ging.

up!sala – der erste komplette Upcycling-Laden Deutschlands

Bis zur Ladeneröffnung zum Grafflmarkt im September 2014 war es allerdings noch ein langer Weg. In kleinen Schritten entstand der Upcycling-Laden up!sala, wie man ihn heute kennt. Upcycling ist eine Form des Recyclings, bei der es zu einer stofflichen Aufwertung von Abfallprodukten kommt. Es entstehen vollkommen neue Produkte. up!sala ist übrigens der erste Laden Deutschlands, der komplett ge"upcycelt" ist, denn auch Einrichtung und Ausstattung bestehen aus „verwandeltem Müll“. Angeboten werden bei up!sala Produkte von Designern und Menschen, die sich auf das Upcycling spezialisiert haben. Mit dabei sind Ohrringe aus Kronkorken, Schalen aus Fußbällen, Gürtel aus Fahrradschläuchen und vieles mehr. Die Artikel kommen aus ganz Deutschland, doch auch von weiter her: Papierketten aus Uganda zum Beispiel, oder Reissackschlampermäppchen aus Nepal. Produkte, die aus Abfall hergestellt werden, der von vornherein vermeidbar ist (z.B. Kaffeekapseln), werden von beiden abgelehnt und nicht verkauft.

Milchmeer ecobags – Recyceltaschen aus Kambodscha

Neben up!sala sind die Milchmeer ecobags das selbsternannte „Baby“ von Sigrun Riechardt und Ralf Hassel. Sie werden weiterhin auf Märkten und im Online-Shop verkauft. Doch was ist überhaupt das Besondere an den Recyclingtaschen?
Genäht werden die Taschen unter fairen Arbeitsbedingungen von einer kambodschanischen Dorfgemeinschaft, die Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) ist. Hinter jeder Tasche steckt ein enormer Aufwand. Zuerst werden die Säcke von Baustellen gesammelt und anschließend gereinigt und getrocknet. Außerdem müssen Schnittmuster erstellt und stetig aktualisiert werden. Das Nähen selbst geht relativ schnell – so schafft eine Näherin fünf bis sechs Taschen am Tag. Danach müssen die ecobags durch eine Qualitätskontrolle und anschließend nochmal gereinigt und für den Versand verpackt werden, um per Luftpost nach Deutschland verschickt zu werden.

Mehr als nur eine Geschäftsbeziehung

Sigrun Riechardt und Ralf Hassel bleiben immer mit den Näherinnen über Internet und soziale Netzwerke in Kontakt. Zusätzlich fliegen sie regelmäßig nach Kambodscha, um sich selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen, das letzte Mal im Januar 2015. Dort haben sie auch gemeinsam mit den Näherinnen neue Schnittmuster und Schablonen entworfen. Die neuen Taschenmodelle, die dabei entstanden sind, wird es bereits im Frühjahr im Upcycling-Laden up!sala zu kaufen geben.
Nicht nur die Bestellungen werden komplett vorfinanziert, auch wenn Geld für eine kaputte Nähmaschine oder für die Ausbildung zweier Näherinnen benötigt wird, springt das Paar soweit es geht ein.
Übrigens: ecobags sind keine Massenware: „Da wir die kleine Größe des Dorfprojektes unterstützenswert finden und gegen ‚Fabrikarbeit’ sind, haben wir trotz des Erfolges nicht vor, die Produktionskapazität der Dorfgemeinschaft zu erhöhen. Die Auflage bleibt also limitiert.“ Vorteil für die Kunden: Milchmeer ecobags werden immer sehr individuell bleiben.

Projekt mit Vorbildfunktion

Mit dem Verkauf von Upcycling-Produkten leisten Sigrun Riechardt und Ralf Hassel einen entscheidenden Beitrag zur Müllvermeidung und unterstützen ca. 30 Näherinnen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Projekt up!sala kann allen ein Vorbild zu bewussterem Leben sein.