Reingeschaut: ars vivendi verlag

ars vivendi - ein Verlag mit Sitz in Cadolzburg, der sich den schönen Dingen des Lebens widmet. Ein Gespräch mit Gründer Norbert Treuheit.

Ars vivendi Cadolzburg 1795 1176

Die schöne Cadolzburg Foto: Klaus Maigut

Cadolzburg Verlag

Blick auf das Verlagsgebäude Foto: Ulla Meckler

Norbert Treuheit Verleger

Norbert Treuheit gründete 1988 ars vivendi in Cadolzburg Foto: Annabel Stochay

Das beschauliche Städtchen Cadolzburg ist hübsch anzuschauen mit seinem mittelalterlichen Charme. Und inmitten dieser Idylle gibt es seit über 20 Jahren einen kleinen Verlag. Ars vivendi wurde 1988 von Norbert Treuheit gegründet und geht fernab von Verlagshochburgen, wie etwa München, seinen eigenen Weg.

Herr Treuheit, wie sind Sie auf die Idee gekommen, in der fränkischen Provinz einen Verlag zu gründen?

Treuheit: "Da muss man ein bisschen weiter ausholen. Ich bin ja in Cadolzburg geboren, in Fürth zur Schule gegangen – und nach einem längeren Englandaufenthalt als Deutschdozent und einem Buchwissenschaftsstudium in München auch wieder nach Franken zurückgekehrt. Da war der Plan erst mal nicht, einen Verlag zu gründen; sondern mir haben ganz einfach bestimmte Titel in der Verlagslandschaft gefehlt, z.B. gut geschriebene, kritische Kneipenführer für deutsche Großstädte. Dieses Projekt habe ich dann größeren Verlagen vorgeschlagen, die das Potenzial der Idee zwar durchaus gesehen haben, es aber – weil regionales Projekt – nicht verlegen wollten. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, das Buch selbst zu veröffentlichen und dafür zusammen mit einem Kommilitonen einen Verlag gegründet – ich habe einfach an die Idee geglaubt, und die Resonanz hat mir auch Recht gegeben: Unsere »kritischen Kneipenführer«, z.B. »München zwischen Sekt und Selters«, haben sich sehr gut verkauft.

Und jetzt zur Frage: Warum Cadolzburg? Ganz einfach: Weil wir unsere ersten Verlagsräume kostenlos im Haus meiner Eltern unterbringen konnten.
Zu einem Teil hat aber bestimmt auch ein gewisser Trotz mit hineingespielt: Wer sagt denn, dass Verlage nur in großen Städten funktionieren können?"

Viele Ihrer Veröffentlichungen haben einen Bezug zu Franken und der fränkischen Kultur – wie kommt das?

Treuheit: "Tja, wir haben eben – wie einer unserer Buchtitel schon sagt – »Ein Herz für Franken«.  Außerdem sind wir der einzige größere Publikumsverlag in Mittelfranken, da bietet sich das schon aus kulturpolitischen Gründen an: Wir wollen das kulturelle Leben in der Region mitgestalten."

„Ars vivendi“ heißt die Kunst zu Leben oder Lebenskunst. Inwieweit steht der Name mit ihrer Verlags-Philosophie in Verbindung?

Treuheit: "Uns war es von Anfang an wichtig, qualitativ hochwertige Bücher zu produzieren, Bücher, die man gerne anschaut, gerne in der Hand hält, gerne liest, eben: kunstvoll gemachte Bücher. Dass diese Kunst in unserem Verlagsnamen vorkommt, ist also nur folgerichtig."

Sie haben mit Gastroführern angefangen, wie hat sich das weiterentwickelt und was verlegen Sie heute alles?

Treuheit: "Richtig, wir haben 1988 mit den oben erwähnten »kritischen Kneipenführern« angefangen, und schon zwei Jahre später erste Belletristik-Titel mit ins Programm aufgenommen, 1991 dann auch Kalender. 1992 kamen mit Helmut Haberkamm und Fitzgerald Kusz auch noch Mundartlyriker dazu. Und seit 1996 bringen wir auch Kochbücher heraus, z.B. von Léa Linster und Peter Gaymann oder auch der bekannten englischen Bestsellerautorin Diana Henry. Seit dem Jahr 2000 verlegen wir außerdem den Dichter schlechthin: Shakespeare, in der hochgelobten Übersetzung von Frank Günther. Die Besonderheit dabei ist, dass Günther wirklich alle Werke Shakespeares ins Deutsche überträgt – im Frühjahr erscheint »König Johann«, und dann fehlen uns nur noch 3 Bände bis zum Abschluss der Gesamtausgabe. 2017 wird es vermutlich soweit sein: Dann ist unsere 39-bändige Shakespeare-Ausgabe vollständig – und Frank Günther hat, als erste Einzelperson überhaupt, das Gesamtwerk des englischen Dramatikers ins Deutsche übersetzt. Und vor lauter Shakespeare darf man natürlich auch unsere Kriminalromane nicht vergessen, die wir seit 2005 verlegen: Frankenkrimis, aber auch überregionale, z.B. finnische oder brasilianische, Krimis waren bislang dabei."

Welche Publikationen kommen am besten beim Publikum an und warum?

Treuheit: "Das kann man so nicht allgemein sagen. Jedes Buch ist einzigartig – und damit auch die Gründe, weshalb es das Interesse auf sich zieht."

Was ist ihre Strategie, als kleines Verlagshaus gegen die großen Konkurrenten anzukommen?

Treuheit: "Wir wollen unsere Leser auf vielen Ebenen ansprechen, inhaltlich, aber auch ästhetisch – wir gestalten Cover, die auffallen, die man nicht so schnell wieder vergisst, weil es eben nicht schon 300 ähnliche Varianten auf dem Markt gibt. Letzten Endes ist unsere Strategie aber ganz einfach: Wir verlegen Bücher, die wir selber toll finden."

Welche Ansprüche stellen Sie an die Autoren, die ihre Manuskripte einreichen möchten?

Treuheit: "Am wichtigsten ist für uns, dass uns die Geschichte begeistert, dass die Sprache und der Ton einen packen – und natürlich, dass der Text in unser Verlagsprogramm passt. Also auf jeden Fall vorher auf unsere Homepage unter 'Einsendungen' schauen. Da steht auch, welche formalen Kriterien es für eine Manuskripteinsendung gibt."

Welche Highlights können wir in diesem Jahr noch erwarten?

Treuheit: "Alle Fans des Fürther Autors Ewald Arenz können sich freuen: Sein neues Buch »Herr Müller, die verrückte Katze und Gott« erscheint im Mai – und erzählt von einem Erzengel mit einer Vorliebe für Gin Tonic, fliegenden Pinguinen und Herrn Müller, der durch einen fatalen Fehler im Vorhimmel aus Versehen als Katze reinkarniert worden ist. Als Katze in Südfrankreich, genauer gesagt, die jetzt zurück nach Nürnberg kommen möchte. Ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastischer Lesespaß!

Ein weiteres absolutes Highlight, das in diesen Tagen erscheint: »Der Wind war es« der Erlanger Schriftstellerin Nataša Dragnić. Die Geschichte spielt in ihrem Geburtsland Kroatien, auf der Insel Brač, und erzählt von einer jungen Laientheatergruppe, die dort einige Wochen in einem abgeschiedenen Dorf am Meer verbringt, um für die Aufführung eines Theaterstücks zu proben. Zunächst scheint ihnen noch die Sonne, das Meer rauscht, der Ginster blüht. Doch dann bricht der Wind herein, der wilde, launische, gefährliche Südwind Jugo. Er tobt und wütet, macht die Köpfe wirr, weckt Leidenschaften, lockt Gefühle hervor, schürt Eifersucht – und verändert alles …Poetisch, romantisch, spannend!

Auch im Kochbuchbereich haben wir übrigens Vielversprechendes, vor allem für Franken: Unsere Bamberger Autoren Barbara Dicker und Hans Kurz zeigen in »Biergrillen«, was man mit einem Hopfengetränk und einem Grill alles anstellen kann, und Marianne J. Voelk widmet sich dem Thema »Franken Vegetarisch«  
(ab Ende April erhältlich).

Der Bücherfrühling kommt!"

Herr Treuheit, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrem Verlag eine erfolgreiche Zukunft.


Eine Übersicht aller Bucherscheinungen im Frühjahr 2016 finden Sie hier.

Eine Übersicht aller Kalender 2017, Geschenke & Postkarten finden Sie hier.